A LABOUR OF LOVE

Pt.1 – Alone and forsaken

Zine

I had already given up on the fanzine-thing. I was sure, that there wasn’t a fanzine any more worth reading (or at least not anywhere near me, so I could get it). Then the right people get together to produce a small zine on the biggest heroes of country-music (Hank Williams, Johnny Cash, Willie Nelson + Carla Bozulich) which is full of deep thoughts, meaning and fandom. And written well, too. Who wants to read that? Well, it is a labour of love. Unfortunately, one written all in German. So, if you can’t read German but want to read it, I guess you’ll have to do one yourself. (And please, send it to me when you’re done. Thank you.)

Ich hatte ja schon aufgegeben. Ich dachte ja bereits, auf dem Fanzine-Markt gibt es gar nichts mehr, was sich zu lesen lohnt. Und dann taucht unvermittelt ein kleines Heftchen auf – natürlich von den richtigen Leuten produziert – und macht mich glücklich. Zumindest für die neunzig Minuten, die das Lesen dauert (mit den besten Stellen doppelt gelesen). Aber ein Fußballspiel dauert auch nicht länger, also was soll ich mich beklagen? Nur darüber, dass dies wahrscheinlich eine einmalige Aktion sein wird und es nicht zu einer regelmäßigen Institution werden wird. Deshalb sollten alle Interessierten auch sofort zugreifen. Hoffentlich sind das mehr als ich befürchte.

Um es mal zusammenzufassen: G. Bus Schweiger schreibt über Hank Williams, Rainer Krispel über Johnny Cash und David Krispel über Willie Nelson’s „Red Headed Stranger“ sowie über die Neubearbeitung des legendären Albums von Carla Bozulich. Man sollte besser sagen, die Herren versuchen ihre Faszination, Liebe und das damit verbundene Fantum in Worte zu fassen, denn eines ist wohl klar: diese drei Künstler sind größer als alles, was sich jemals zwischen die Deckel eines Buches geschweige denn auf 28 Seiten A5 fassen lässt. Diese unverhohlene Verehrung, das ständige Verweisen auf „was diese Musik für mich bedeutet“ der Schreiber ist es aber, was das Lesen des Heftchens so spannend und schön macht. (und auch der Kern dessen, was das Wort „Fanzine“ beschreiben sollte – es heutzutage allerdings nur noch als erste Stufe auf der Karriereleiter zum gut bezahlten Erfüllungsgehilfen der Musikindustrie gesehen wird.) Musikjournalismus kann eigentlich nur in der ersten Person Einzahl funktionieren. Glaubt mir, ich habe es versucht.

Die drei Schreiber – Schweiger, Krispel & Krispel – haben es auch immer und immer wieder versuchtund geschafft. In Österreich sollten sie ja soweit recht bekannt sein, als Musikjournalisten, als DJs, von verschiedenen Bands oder von anderer Infrastruktur und Organisations-Arbeit für die „alternative“ Musikszene. Soll heißen, es handelt sich definitiv um von Musik besessene Menschen, aber von der guten Sorte. Jene, die sich ein Urteil bilden und es auch niederschreiben können. Und alle drei haben auch schon einiges an Jahren in dieser „Szene“ auf dem Buckel, sind zwar nicht „Berufsjugendliche“ im engeren Sinn, aber haben doch Abstand von einer durchschnittlichen Lebensplanung genommen. Und geben sich selber Prinzipien und Leitlinien vor, für das was sie tun und schreiben. Im Kurzen: die wissen schon, was sie tun und wovon sie schreiben.

Zurück zum Fanzine: In den penibel recherchierten und sehr persönlichen und sinnbildenden Texten glänzt es auch mit diversen Anekdoten und Geschichten, die aber alle gekonnt in den Text verwoben werden und niemals nur für sich stehen, sondern immer auf einen größeren Zusammenhang verweisen. Und zwar so, dass man auch weiß, was gemeint ist. Das ist es, was ich meine, wenn ich von „meaningful“ rede. Andere Magazine, die über Johnny Cash nach seinem Tod geschrieben haben, strotzten zwar nur so vor Redewendungen wie „denn Mann, sein Leben und seine Musik begreifen und zu verstehen“ oder von „hinter den Mythos blicken“, aber im Endeffekt blieb immer ein großes „Wie bitte? Was jetzt genau?“ übrig (was vielleicht an der mangelnden Qualifikation der Schreiber lag.) Hier legt man das Heftchen weg, mit dem Gefühl was gelernt zu haben, und dabei noch spannend unterhalten und was zum Nachdenken wegtragen zu können.

Natürlich gibt es noch tausende Sachen, die man zu allen dreien oder auch nur einem der drei Helden sagen hätte können, aber dennoch: die hier zu findenden sind gut gebracht. Vielleicht gibt es doch noch eine zweite Ausgabe und es lässt sich noch mehr sagen? Ich würde es mir wünschen. Angedeutet wurde es bereits. Andererseits ist das für das Format auch nicht notwendig. Eine Arbeit der Liebe ist ja oft auch eine Lebensaufgabe und als solche ist es besser langsam voranzuschreiten und die Dinge sich entwickeln zu lassen. Für diese Ausgabe basieren alle drei Texte zu mehr oder weniger großen Teilen auf Manuskripten für mehr oder weniger gelungene Vorträge zum Thema „Alone and Forsaken, das dunkle Herz der Country-Musik“; gehalten an einem Juli-Abend bei Time’s Up in Linz. (Die Geschichte des totalen Misslingens eines der drei Vorträge ist bereits den geringen Kaufpreis mehr als wert.) Und wenn schon. Solche Texte sollten auf jeden Fall niedergeschrieben und gedruckt und erhältlich sein.

Wieso tut man sich so was an? Schreibt, druckt und predigt Texte über die beste Musik der Welt, die aber sonst niemand hören will, weil das Gute an ihr unter einer zentnerschweren Decke aus Scheiße begraben ist? (Natürlich rede ich von Country-Musik.) Klar, weil es eine „Arbeit der Liebe“ ist. Und es gibt noch jede Menge Dinge, über die es sich zu schreiben lohnt. Hier ein paar Ideen, die ich mal für die nächste Ausgabe anbiedern möchte: Kris Kristofferson (der jüngste der Highwaymen, mindestens so cool wie Jim Morrison damals und Michael Madsen heute, warum er in Österreich so beliebt war und warum er immer noch ein Outlaw ist), Waylon Jennings (der fehlende der großen Highwaymen, legendärer Erfinder des „chicken’ picking“, Texasman), der Psycho-Country von Eddie Noack, die Country-Seite von Jerry Lee Lewis, warum „Satisfied Mind“ von Porter Waggoner so ein Geniestreich ist, und immer so weiter. Wenn man sich dazusetzt, dann bietet wohl auch die Gitarreneinleitung von „Folsom Prison Blues“ genug Stoff für einen ganzen Artikel.

Das Heft ist um 1 € bei Substance (Westbahnstraße 16, 1070 Wien, www.substance-store.com) erhältlich. Impressum findet sich im Heft keines. Doer Ihr sendet ein email an Rainer Krispel (chelsea@sil.at) für die wies, die wos und die wieviels.

12/2003